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Ausgabe 2
Artikel: 'Wildgemüse: Des Frühlings reiche Gaben'

"Lass deine Nahrung deine Medizin sein" - dieser wohlbekannte Ausspruch des Hipokrates kann mit den wertvollen Geschenken des Frühlings, einer Vielzahl von Wildkräutern, genussvoll befolgt werden.

Die ersten drei Blütenkörbe des Gänseblümchens, an Ort und Stelle voller Andacht gegessen, schenken Gesundheit für das ganze Jahr, heißt es. Das Gänseblümchen ist auch eine der Zutaten in der entschlackenden Frühjahrskur, für die man bei abnehmendem Mond 10-14 Tage lang Gundelrebe, Giersch, Brennessel, Löwenzahn, Vogelmiere und Knoblauchrauke genießt.

Grün ist die Hoffnung

Nach der Zeit von Väterchen Frost beschert uns der Frühling nun eine willkommene Frischkur mit wahren Mineralstoff- und Vitaminfüllhörnern. So trägt etwa das Scharbockskraut seinen Namen als Zeichen für seine Verwendung gegen Skorbut, eine früher verbreitete Vitamin C-Mangelkrankheit. Der als Steirischer Röhrlsalat durchaus populäre Löwenzahn enthält mehr Provitamin A als Karotten und 30-mal mehr Eisen als Spinat. Zusätzlich wirken die allen Korbblütlern eigenen Bitterstoffe verdauungsfördernd. Eine Korbblütler(vor)speise erhöht die Resorption der folgenden Gänge um bis zu 30%.

Ein wahrer Allrounder ist die Brennessel, die neben vielen Vitaminen und Mineralstoffen auch doppelt so viel Protein enthält wie die Sojabohne. Fast noch vielseitiger verwendbar ist der Wiesenbärenklau, dessen verschiedene Teile das ganze Jahr über unsere Gaumen kitzeln. Die jungen Blätter waren lange eine willkommene geschmackliche Auffrischung alter Erdäpfel. Giersch wird häufig als lästiges Unkraut betrachtet, dabei ist er ein sehr wertvolles Wildgemüse. Ein Tip für alle Gartenfreunde: essen statt bekämpfen!

Gut und gesund

Neben der Gaumenfreude helfen uns die Kräutlein auch noch beim Gesundsein. Zusätzlich zur allgemeinen Stärkung unseres Organismus gibt es eine Reihe von Spezialanwendungen, wie z.B. Waldmeister- oder Mädesüßtee gegen Kopfweh. Eine genauere Behandlung sowohl der kulinarischen als auch der medizinischen Nutzungsmöglichkeiten würde den hiesigen Rahmen bei weitem sprengen. Dabei gäbe es viel Spannendes zu beschreiben, wie etwa den Geschmack junger Buchenblätter oder von als Kapern eingelegten Gänseblümchenknospen oder auch die geschmackliche Ähnlichkeit von Vogelmiere mit jungen Maiskölbchen.

Aber so viel ist fix: ob Brennessel, Schafgarbe, Hopfen, Bärlauch oder Vogelmiere, ob als Salat, Spinat, Pesto oder Tee - die Schätze stehen vor unserer Haustüre, und es zahlt sich aus, sich darüber kundig zu machen. Denn das ist stark angeraten, um allfällige Verwechslungsgefahren, giftige Teile von Pflanzen, Naturschutzhinweise und Sammelrichtlinien richtig einzuschätzen.

Literaturtips:

Wildfrüchte, -gemüse, -kräuter; erkennen, sammeln & genießen: Elisabeth Mayer, Stocker Verlag Wien, 1999

Nahrhafte Landschaft: Michael Machatschek, Böhlau Verlag, 1999

Wildpflanzen in der Küche: François Couplan, AT-Verlag Aarau, 1997

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