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Ausgabe 6
Artikel: 'Unsere fliegenden Verwandten'

Die Fledermäuse sind in vielerlei Hinsicht äußerst interessante und außergewöhnliche Tiere – und zeigen auch zahlreiche Berührungspunkte mit der Land- und Forstwirtschaft.

Ihre eigentümliche Gestalt und geheimnisvolle Lebensweise bescherte den Fledermäusen über lange Zeit ein negatives Image als Inkarnation des Bösen. Legenden und Aberglauben schürten die Angst vor diesen zierlichen Tieren und führten zu ihrer gezielten Verfolgung und Tötung. Das ist zum Glück größtenteils überwunden – und war auch keineswegs überall so. In China etwa gibt es nur ein Wort (fu) für Fledermäuse und Glück und auch in Bosnien wurden die Flattertiere von der Bevölkerung als positives Omen willkommen geheißen, so wie hierzulande die Schwalben.

Fledermäuse gehören (mit den Flughunden) zur Ordnung der Chiroptera ("Handflügler"), die mit 900 Arten die zweitartenreichste Säugetierordnung ist. 30 Arten leben in Europa, davon 24 in Österreich und 22 in der BRD. Die größte heimische Art ist das Große Mausohr mit maximal 8 cm Körperlänge und 40 g Gewicht.

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Mit ihrer sehnigen Flughaut, die sich zwischen den extrem verlängerten Mittelhandknochen und Fingern sowie Beinen und Schwanz aufspannt, sind sie die einzigen aktiv fliegenden Säuger. Schon vor 50 Millionen Jahren bevölkerten die Fledertiere den Himmel genau so wie sie es heute tun. Mit ihrem 6. Sinn, der Echoortung mit Ultraschall, erzeugen sie Hörbilder ihrer Umgebung und "hör-sehen" auf diese Weise selbst in absoluter Dunkelheit ihre Ruheplätze, Nahrungstiere und kleinste Hindernisse. Dazu rufen sie (für Menschen unhörbar) arttypische Frequenzen durch den offenen Mund (z.B. Glattnasen) oder durch die Nase (Hufeisennasen) und empfangen das Echo mit ihren feinen Ohren.

Abendsegler beim Start
Abendsegler beim Start

Energiesparmeister

Im Jahresverlauf benötigen die heimischen Fledermäuse verschiedene Quartiertypen. Überwintert wird hängend oder in Spalten liegend an konstant kühlen, feuchten Plätzen wie Höhlen oder Kellern. Dabei zehren die Tiere von ihren Fettdepots und reduzieren ihre Körperfunktionen auf ein Minimum: Sie legen Atempausen bis zu einer Stunde ein und senken ihre Körpertemperatur auf 1-10°C. Bei Unterkühlungsgefahr wachen sie auf und suchen nach einer günstigeren Stelle, was freilich wertvolle Energie kostet. Nach dem Frühlingserwachen befruchten die weiblichen Tiere ihre Eier mit Sperma, das sie über den Winter gespeichert hielten – auch das ein Unikum in der Säugetierwelt. Von April bis August versammeln sie sich dann in "Wochenstuben", wobei warme, zugfreie Plätze bevorzugt werden, je nach Art in Baumhöhlen, Dachböden oder Hohlräumen in und an Gebäuden. Hier bringen sie v.a. im Juni ihre meist 1-2 Jungen zur Welt. Diese niedrige Fortpflanzungsrate kompensieren sie mit früher Geschlechtsreife und hohem Lebensalter – Große Hufeisennasen können über 30 Jahre alt werden.

Wichtige Nützlinge

Der Speiseplan der allermeisten Fledertiere besteht aus Insekten, nur in den Tropen und Subtropen gibt es auch Frucht-, Nektar- und Fleischfresser, sowie drei amerikanische Blut leckende Arten. Die Fledermäuse können anhand des Echos sogar die einzelnen Insektenarten unterscheiden. Gejagt und gespeist wird meist im Flug, wobei die Fledermäuse pro Nacht rund ein Drittel ihres Körpergewichts aufnehmen (das entspricht ca. 12.000 Mücken pro Fledermaus und Monat). Durch ihre Nachtaktivität fangen die Fledermäuse auch viele Schadinsekten, die von anderen Nützlingen nicht erfasst werden. Dazu zählen etwa Eulenschmetterlinge, Eichen- und Obstbaumwickler sowie verschiedene Spinner, Spanner, Käfer und Fliegen. Fransen- und Wasserfledermäuse lesen auch Blattläuse von den Pflanzen ab.

Und auch die Reste der Mahlzeiten sind wertvoll – Fledermausguano gilt als sehr guter Dünger.

Gefährdung und Schutz

Leider müssen in Österreich alle Arten als gefährdet gelten und stehen daher auf der Roten Liste der geschützten Arten. Der Schutz der Fledermäuse ist je nach Bundesland unterschiedlich und nicht selten mangelhaft, da Österreich als einziges europäisches Land neben Albanien die Bonner Konvention und ihr Zusatzabkommen zum Schutz der Fledermäuse nicht unterzeichnet hat.

Gefahren drohen den Tieren vor allem durch die Zerstörung von Quartieren und naturnahen Landschaften, das Ausräumen der Kulturlandschaft, durch menschliche Störungen in Wochenstuben und Winterquartieren, durch die Anwendung von Insektiziden und damit die Vergiftung ihrer Nahrung sowie durch chemische Holzschutzmittel in ihren Quartieren.

Entsprechend reichen die Schutzmaßnahmen von der Erhaltung geeigneter alter Bäume und reichhaltiger Landschaften über die fledermausschonende Errichtung und Renovierung von Gebäuden bis zum Verschließen von Höhlen mit weitmaschigen Gittern. Wenn Sie selbst zu den Glücklichen gehören, bei denen sich Fledermäuse eingenistet haben, kontaktieren Sie bitte Experten um Rat und tragen Sie zum Schutz dieser im wahrsten Sinne des Wortes wunder-vollen Tiere bei.

Kontakt: Dr. Friederike Spitzenberger, Naturhistorisches Museum, Burgring 7, 1010 Wien, Tel: +43/1/52177-0

Adressliste für D: www.cityinfonetz.de/

homepages/myotis/adressen.html

Literatur: K. Richarz, A. Limbrunner: Fledermäuse, 1992, s. Buchbesprechung S. 16

G. Steinbach (Hrsg.): Geheimnisvolle Fledermäuse, 2000

W. Schober: Die Fledermäuse Europas: kennen – bestimmen – schützen, 1987

alle im Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart. Die beiden ersteren sind in der BioVegaN-Bibliothek entlehnbar.

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