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Ausgabe 7
Artikel: 'Ethik und bio-vegane Landwirtschaft'

In der Landwirtschaft gilt im allgemeinen ein anthropozentrisches Weltbild mit zerstörerischen Auswirkungen – der Mensch steht im Mittelpunkt, macht sich die Erde untertan, tötet unzählige Tiere und vernichtet nach und nach die eigenen Lebensgrundlagen. Der bio-vegane Weg weist in eine andere Richtung ...

Aussagen von bio-veganen PraktikerInnen lassen erkennen, dass es grundsätzlich vier Ausgangspunkte für die Entscheidung bio-vegan zu wirtschaften gibt. Drei davon sind ethischer Natur:

Lebensgrundlagen erhalten

Einerseits streben immer mehr LebensmittelproduzentInnen danach, nicht auf Kosten zukünftiger Generationen zu wirtschaften. Für dieses Vorhaben bietet die bio-vegane Wirtschaftsweise die besten Voraussetzungen. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel ist hinsichtlich der Wasser- und Bodenvergiftung ein Gebot der Stunde. Gleichzeitig werden die für die Produktion synthetischer Betriebsmittel nötige (fossile) Energie sowie der damit einhergehende CO2-Ausstoß eingespart. Ohne Tierhaltung werden die gewässer- und bodenschädlichen Ammoniak-Emissionen auf Null reduziert. Ähnlich verhält es sich mit dem Treibhausgas Methan. Energie- und Landflächennutzung werden um ein Vielfaches verbessert, wenn pflanzliche statt tierische Lebensmittel erzeugt werden. In all diesen Aspekten steckt der Versuch, zukünftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu garantieren.

Tierleid/Tiermord

Tierhaltung geht im allgemeinen immer mit Tierleid und/oder Tiermord einher. Selbst wenn den Tieren weder Fleisch noch Milch noch Eier abverlangt werden, gibt es für den Tierhalter/die Tierhalterin nur drei Möglichkeiten mit dem Fortpflanzungsbedürfnis der Tiere umzugehen: Die Tiere werden geschlechtlich getrennt gehalten – was ihnen schwer zu schaffen macht. Oder es wird den Tieren die Fähigkeit zur Fortpflanzung genommen. Kastration oder Sterilisation sind jedoch schwer zu rechtfertigende Eingriffe in das Leben eines Individuums. Die dritte Möglichkeit besteht darin, die Vermehrung geschehen zu lassen und anschließend die Jungtiere zu töten oder aber sie leben zu lassen und somit die Tier-Überbevölkerung und die daraus resultierenden Probleme weiter zu forcieren. Für Menschen, die das Recht der Tiere auf Freiheit, Leben und Unversehrtheit akzeptieren, ist keine dieser Varianten befriedigend.

Pragmatik

Mit den ethischen sind oft auch ganz pragmatische Motive verknüpft. Nicht selten fehlt das nötige Betriebskapital für Behausungs- und Zaunbau, Futter, Tierarztkosten und nicht zuletzt für die nötigen Investitionen, um den hohen Hygieneanforderungen beim Vermarkten von tierischen Produkten gerecht zu werden. Die tägliche Pflege der Tiere verlangt viel Arbeitseinsatz und schafft eine starke Gebundenheit an den Hof. Außerdem können der weitaus höhere Platzbedarf ein Grund sein, sich für ein Wirtschaften ohne Tierhaltung zu entscheiden. Als Regel gilt: Je weniger Tierprodukte gebraucht werden, desto mehr übersteigt der Aufwand den Nutzen.

Holismus

Im bio-veganen Umfeld ist es spürbar, dass die Rücksichtnahme auf leidensfähige bzw. lebende Wesen zwar eine Basis darstellt, aber nicht auseichend ist. Es wird bewusst, dass auch die unbelebte Natur wie Luft oder Stalaktiten und insbesondere komplexe Lebensräume wie Moore oder Ozeane einen Eigenwert, unabhängig von ihrem Nutzen für uns Menschen haben und schützenswert sind. Dieser ganzheitliche Ansatz wird als "Holismus" bezeichnet.

Dabei möchte ich einem möglichen Missverständnis mit einem Zitat von Martin Gorke (aus "Natur und Kultur" Nr. 2) vorbeugen: "Moralische Achtung auch gegenüber Unbelebtem bedeutet nicht, dass es hinsichtlich der Stärke der Gebote und Verbote nun keine Differenzierung mehr gäbe. Das Zermahlen eines Kieselsteins ist nicht von gleicher moralischer Signifikanz wie die Tötung eines Fischotters ... Ausmaß und Qualität der dabei verursachten Zerstörungen sind unterschiedlich."

Eigenwert

Wenn wir einen nicht-anthropozentrischen Standpunkt einnehmen, müssen wir uns fragen, ob es gerechtfertigt ist, einen Teil der Natur aufgrund von willkürlich gewählten Kriterien aus der Moralgemeinschaft auszuschließen. Geschichtlich bzw. geographisch gesehen wandeln sich diese Kriterien schließlich ständig je nach dem Ansinnen des Establishments und dem Nutzen für dieses. Menschen wurden und werden nach Hautfarbe, Geschlecht oder Klasse bewertet, Tiere, Pflanzen und Landschaften nach Spezies, Leidensfähigkeit, wirtschaftlichem, ästhetischem oder religiösem Wert in die Moralgemeinschaft einbezogen oder aus ihr ausgeschlossen. Insofern ist es schwierig, deren Grenzen nicht-egoistisch zu argumentieren.

Wir vom BioVegaN-Team haben uns daher entschieden, diesen Aspekt in unser Vereinsleitbild aufzunehmen. Hier heißt es: "Wir respektieren den Eigenwert der belebten und unbelebten Natur unabhängig von ihrem Nutzen für uns Menschen."

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