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Ausgabe 10
Artikel: 'Bauen mit Rundholz und Stroh'

Ein aus Naturstämmen erstelltes Bauwerk strahlt eine urtümliche Kraft und Schönheit aus, die organischen runden Formen und natürlichen Farben sind nicht vergleichbar mit der Klarheit/Neutralität gerader Flächen und Linien.

Neben den bekannten baubiologischen Vorteilen chemisch unbehandelten Holzes bekommt man mit Naturstämmen ein Material in die Hand, das sich schon während des Hausbaus bei jedem Arbeitsgang wunderbar anfühlt und das Auge erfreut. Zugleich bietet sich hier die Reduktion oder gar der Verzicht des Maschineneinsatzes zugunsten echter Handarbeit besonders an: Durch die individuelle Form jedes einzelnen Stammes ist eine rationelle Serienbearbeitung weniger angebracht als bei Kantholz.

Bio-, Natur- und Recyclingbaustoffe

In unserem Fall – wir sind eine Baufamilie innerhalb des „Ökodorf Sieben Linden” in Sachsen-Anhalt – haben wir für den Bau eines zweistöckigen Wohnhauses mit 100 m2 Wohnfläche einen unüblichen Weg eingeschlagen: Aus ökologischen Gründen und unter dem Aspekt der Selbstversorgung entsteht dieses Haus praktisch ohne den Einsatz von industriell, umweltbelastend und mit Ausbeutung (sog. 3.-Welt-Produkte) hergestellten Baustoffen und Werkzeugen. Um unter diesen Voraussetzungen Niedrigenergiestandard und eine lange Lebensdauer zu erreichen, kombinieren wir Naturstämme als Fachwerk mit Bio-Strohballen als selbsttragendem Dämmstoff und Lehm als Wetter-, Brand- und Schädlingsschutz, ergänzt durch Recyclingbaustoffe aus dem Abriss anderer Häuser. Geheizt und beleuchtet wird das Wohnhaus ausschließlich mit regenerativen Energien.

Die verankerte Strohballenwand
Die verankerte Strohballenwand

... ein Sack mit Müll ...

Die ökonomische Bilanz bei größtenteils selbst erstelltem Rohbau lautet: Materialkosten unter 5.000 Euro, 10.000 Arbeitsstunden und vielfältige Bauerfahrungen vom Fundament über die Strohballenwände bis zum Verputzen. Es wurden nicht mehr als 10 kg Kalkzement, 5 kg neue Nägel und 200 Liter Treibstoff für Transporte eingesetzt. Der produzierte Müll füllt nicht einmal einen Sack.

Das Holz wurde zum größten Teil im eigenen Wald geschlagen unter Berücksichtigung eines die Holzqualität steigernden Mondstandes. Die mit Schrotsäge und Axt gefällten Kiefernstämme wurden von Hand geschält und mit Pferden bewegt. Diese überaus wohltuende Arbeitsweise bietet eine individuelle Auswahl der benötigten Stämme bei waldschonendem Eingriff, die Vermeidung langer Transportwege und umweltschädlicher Sägewerke und somit einen Selbstversorgerpreis von 30 Euro pro m3 Holz. Das gesamte Fachwerk wurde ausschließlich mit Holzverbindungen errichtet. (Wer sich diese Arbeit nicht machen will, kann auf Stahlbauteile wie Gewindestangen und GEKA-Dübel oder vorgefertigte Lochblechverbinder zurückgreifen.)

Rein vegane Lösungen

Mit dem Anspruch an veganes Bauen betritt man beim biologischen Hausbau Neuland. Gerade Kasein (Quark), manchmal sogar Tierblut werden überall empfohlen zur Stabilisierung von Anstrichen und mineralischen Oberflächen. Und dass Zementwerke zeitweise sogar mit Tiermehl heizen, weiß kaum jemand. Wir versuchen Wege des Zusammenlebens mit Tieren zu gehen, die von Freundschaft und gegenseitigem Nutzen geprägt sind. Wir machen höchstens Gebrauch von dem, was sie uns geben ohne Schaden zu nehmen. Das bedeutet hier, dass zwei uns schwer krank geschenkte Pferde gesund gepflegt wurden, welche nun ohne gewaltvolles Antreiben beim Bewegen von Lasten helfen. Außerdem benutzen wir ihren Mist und bei der Fellpflege anfallende Haare als mögliche Zutaten für Lehmwerkstoffe. Rein vegane Lösungen sind uns noch lieber, und so versuchen wir eine entsprechend sorgfältige Korngrößen-Mischung und Verdichtung der Lehmputze, eine Armierung mit feinen Strohhäckseln und die Zugabe von Urin, Sojamilch oder aufgekochtem Weizenmehl (in den USA erfolgreich verwendet).

Wer selbst Erfahrungen in dieser Bauweise sammeln möchte, kann wochenweise ab April 2002 aktiv teilnehmen.

Bitte anmelden unter

Tel. +49/39000/51233.

Martin Stengel

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